Der Turmalin, der bunteste aller Edelsteine 

Die meisten denken bei Farbedelsteinen an die Gängigen wie Rubin, Saphir, Smaragd und Aquamarin. Das ist aber nur ein kleiner Teil der Edelsteine. Deshalb möchte ich euch in dieser Serie einzelne Steine vorstellen, die der Laie so vielleicht noch nicht kennt.

Starten möchte ich heute mit dem Turmalin. Es ist tatsächlich der bunteste aller Edelsteine! Von weiß bis schwarz gibt es ihn in allen erdenklichen Farben. Oft sind auch mehrere Farben in einem Stein vorhanden. Einfarbige Steine kommen seltener vor. Auf dem Foto seht ihr anhand der beiden Armbänder eine kleine Auswahl der Farbpalette des Turmalins.

Aber woher kommt diese breite Farbenvielfalt? Nun, der Turmalin ist sowas wie der Gemischtwarenladen unter den Edelsteinen. Es ist nämlich eigentlich eine Mischkristallgruppe. Das Grundgerüst bildet ein Bor-Aluminium-Silikat. Auf seinem Weg zur Entstehung ist er ein sogenanntes Kontaktmineral, d.h. er nimmt alles mit, was auf seinem Weg liegt. Daraus resultiert eine sehr komplizierte, je nach Inhaltsstoffen andere chemische Formel, die ich euch hier erspare. 

Von Bedeutung für die Farbgebung der intensiv blauen bis türkisen Turmaline ist das Kupfer. Erhält der Stein seine Blaufärbung dadurch, darf er als Paraïba bezeichnet werden, sonst nicht. Auch andere farbige Turmaline haben eigene Namen: Der Rote ist ein Rubellit, der Grüne ein Verdelith, der Blaue ein Indigolith, der Schwarze ein Schörl, um nur einige zu nennen. Andere, wie z.B. der lilafarbene Turmalin (ja, auch den gibt es) haben keinen eigenen Namen. Der hellblaue Stein auf dem Foto ist ein Paraïba.

Er ist aber nicht nur ein-und mehrfarbig, sondern hat auch einen starken Pleochroismus. So bezeichnet man bei einem Edelstein die Mehrfarbigkeit. Je nachdem, wie man den Stein dreht, ändert sich die Farbe, intensiviert sich oder wird blasser. Das ist beim Schleifen der Steine von Bedeutung, denn einen sehr dunklen Stein kann man je nach Schleifrichtung zur Hauptachse aufhellen. Einem Blasseren kann man so zu mehr Intensität in der Farbe verhelfen. 

Ein weiterer optischer Effekt ist die Chatoyance, auch Katzenaugeneffekt gennant. Durch feine Hohlkanäle im Stein entsteht dieser Effekt. Richtig geschliffen sieht es so aus, als ob das Katzenauge über den Stein gleitet. 

Ähnlich dem Quarz hat der Turmalin eine Pyro-und Piezoelektrizität. Diese entsteht durch Druck oder Zug. Dies machten sich schon die holländischen Seefahrer zunutze. Durch das Reiben des Steins zog dieser die Asche aus den Meerschaumpfeifen an. Deshalb hieß er damals auch „Aschetrekker“, also „Aschenzieher“. Ein wenig charmanter Name für einen Edelstein! Durchgesetzt hat sich zum Glück das singhalesische Wort „tura mali“, was soviel wie „bunt gemischter Stein“ bedeutet.

Das ist nur ein kleiner Ausblick in die Welt des Turmalins. Ein wie ich finde, sehr fasziniernder Stein!

Quellen

Bücher:

  1. Walter Schumann: Edelsteine und Schmucksteine, 15. Auflage
  2. Walter Schumann: Edle Steine
  3. Friedrich Benesch: Der Turmalin. Eine Monographie

Webseiten:

  1. http://www.edelsteine.at
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